Bildung mit Glaube und Vernunft

Katholische Erwachsenenbildung formuliert ihre Ziele und Themenbereiche auf der Grundlage des Verhältnisses von Gott - Welt - Mensch. Das Angebot der Katholischen Erwachsenenbildung vermittelt Informationen und Orientierungshilfen in verschiedenen Lebensphasen und Lebenssituationen.

In Vorträgen, Seminaren und Bildungsveranstaltungen werden aktuelle Entwicklungen und Fragen aus Kirche, Theologie, Gesellschaft und Politik aufgegriffen und kritisch reflektiert. Einen weiteren Schwerpunkt setzen die Bereiche Kunst und Kultur, Lebens- und Erziehungsfragen.

In der Diözese Augsburg bieten 18 Bildungswerke Veranstaltungen der Erwachsenenbildung auf Gemeinde- und Dekanatsebene an. Sie werden ehrenamtlich von Frauen und Männern getragen, die von der Katholischen Erwachsenenbildung vor Ort unterstützt und gefördert werden (siehe pdf-Flyer).

Nah am Menschen

Samstagvormittag in Augsburg: Die 50 Teilnehmer kommen aus verschiedenen Regionen der Diözese Augsburg. Teilweise haben sie über eine Stunde Anfahrt hinter sich, um an einem „Presse- und Medienseminar“ im Haus Sankt Ulrich teilzunehmen. Für einen Tag wollen sie lernen, wie Aktivitäten und Vorgänge in ihren Pfarreien effektiv an die Medien - Presse, Rundfunk und lokales Fernsehen - vermittelt werden können. Dazu üben sie das Erstellen von Pressemitteilungen und erhalten Tipps, wie sie den gemeindlichen Pfarrbrief ansprechend und kreativ gestalten können. Die Referenten sind Journalisten von verschiedenen Redaktionen.

Szenenwechsel: „Individuell und anonym“ lautet eine Abendveranstaltung zum Wandel der Bestattungskultur. Gerade in diesem Bereich hat sich vieles in den letzten Jahren geändert. Die 18 Teilnehmer und Teilnehmerinnen kommen zu der Veranstaltung mit persönlichen Fragen und mit dem Interesse nach allgemeinen Informationen. In Gesprächsgruppen werden Fragen strukturiert und an den Referenten weiter gegeben. Sachkundig gibt er Auskunft, greift Bedenken auf, erläutert. Nachfragen werden gestellt und der Abend nimmt schließlich eine Wende: die Angst vor dem eigenen Tod, die gesellschaftliche Tabuisierung des Todes, der christliche Glaube an die Auferstehung, persönliche Erlebnisse und Erfahrungen rücken in den Vordergrund. Die Veranstaltung macht deutlich: existentielle Themen, die in der Öffentlichkeit weitgehend tabuisiert werden, finden im Bereich der Katholischen Erwachsenenbildung einen offenen Raum, um thematisiert und diskutiert zu werden.

Übergang von Wissen zu Bildung

Praktische Fertigkeiten und konkrete Lebenshilfe – in dieser Spannbreite vollzieht sich die Arbeit der Katholischen Erwachsenenbildung. In Kursen, Seminaren, Vorträgen werden Kenntnisse vermittelt und das Gespräch zwischen fachkundigen Referenten und Teilnehmern ermöglicht. Die Vermittlung von Orientierung, die Hinführung zur eigenen Urteilsbildung und schließlich das verantwortungsvolle Handeln sind entscheidende Zielpunkte. Dieses ganzheitlichen Verständnis von Bildung (Wissensvermittlung, Urteilsbildung, Handlungsfähigkeit) orientiert sich nicht allein an intellektueller Leistung und wirtschaftlicher Verwertbarkeit. Die Katholische Erwachsenenbildung sieht hier ihre Bedeutung und Stärke.

Christlicher Standpunkt

Die Katholische Erwachsenenbildung zeigt ein eigenständiges Profil: ihre unterschiedlichen Bildungsinhalte orientieren sich an christlichen Werten, verdeutlichen den katholischen Standpunkt in der Öffentlichkeit und setzen sich auf der Grundlage des christlichen Glaubens mit existentiellen Lebensfragen wie allgemeinen Zeitströmungen auseinander. Katholische Erwachsenenbildung muss sich daher stets an der Nahtstelle zwischen binnenkirchlichem Raum und pluraler Welt bewähren.

Lebensorientierung

Wer immer wieder Neues lernen muss, braucht eine Lebensorientierung, um entscheiden zu können, welches Wissen und welche Verhaltensweisen, welche Ziele und Werte er für sich wichtig halten soll. Der Mensch muss Grundüberzeugungen erlernen, die Halt im Leben geben. Das Christentum bietet einen solchen Halt. Der christliche Glaube liefert auf diese Weise Maßstäbe, Reibungsflächen und nötige Eckpunkte, an denen sich das Handeln einer Persönlichkeit heranbilden kann. Wesentlicher Inhalt jeder kirchlichen Bildungsarbeit ist daher der kritische, vor allem selbstkritische Blick und das Wagnis, den Menschen ganzheitlich und in seinem tieferen Wesen zu sehen.